21. November 2018: NKV 5,2 für Bahnstrecke Landshut-Mühldorf-Rosenheim

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Der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 soll bis zum Jahresende überarbeitet werden. Darin befindet sich auch der Brenner-Nordzulauf, er ist im vordringlichen Bedarf. Dazu hat das Planungsbüro Vieregg-Rössler eine interessante Stellungnahme vorgelegt.

Was das mit der B15 neu zu tun hat? Die Untersuchung bezieht auch die Bahnstrecke Landshut-Mühldorf-Rosenheim ein. Hier tut sich eine Alternative auf, für den Güterverkehr auf der Schiene und anstelle der Neutrassierung der B15 neu durch wertvolle landwirtschaftliche Flächen.

Vorausgeschickt werden muss, dass der Brenner-Nordzulauf ohne die zwingend vorgeschriebene Wirtschaftlichkeitsberechnung Eingang in den ursprünglichen BVWP 2030 gefunden hat, was streng genommen nicht zulässig ist.

Was sind die Fakten? In Deutschland verteilt sich das Verkehrsaufkommen zu 30% auf die Schiene und zu 70% auf den Lkw-Verkehr. Derzeit verkehren in Kufstein 81 Güterzüge pro Tag [letzte Zahlen stammen von 2014], davon ca. 55 von/nach München. Für 2025 werden allein für die Strecke München-Brenner 168 Güterzüge pro Tag prognostiziert. Österreich nimmt in einem sog. Bemessungsfall sogar 272 Züge für den Bahnhof Kufstein an. Geht man von einem beim BVWP 2030 unterstellten Verkehrswachstum im Schienengüterverkehr von 1,8% jährlich aus, so werden aus den 81 Zügen des Jahres 2014 – so Vieregg-Rössler – erst nach 68 Jahren die unterstellten 272 Güterzüge erreicht. Das wäre dann  im Jahr 2082 ! Eine solche Langzeitvorhersage ist unseriös, schreiben Vieregg und Rössler.

Lkw- versus Schienenverkehr. Neben der Frage des Wachstums im Güterverkehr insgesamt betrachten die Autoren der Untersuchung, wie sich der Lkw-Verkehr einerseits und der Schienengüterverkehr andererseits entwickelt. Aus der Betrachtung der letzten 10 Jahre lässt sich jedenfalls kein Wachstumstrend mehr erkennen, wie die Untersuchung von Vieregg-Rössler belegt. Auch der Lkw-Verkehr am Brenner verharrt seit 2005 auf hohem Niveau.

Ca. 35% des Lkw-Verkehrs am Brenner soll sog. Umwegverkehr sein, weil Lkw-Fahrer statt durch die teure Schweiz die österreichische Route vorziehen. Die Autoren machen ein Planspiel: Man könnte den Lkw-Verkehr auf die Bahn am Brenner erzwingen. Und ebenso könnten die deutschen Verkehrspolitiker auch eine zwangsweise Verlagerung des Güterverkehrs von 70% auf die Schiene dekretieren. Umwegverkehr und Zwangsverlagerung auf 70% Schienengüterverkehr eingerechnet, kommen Vieregg-Rössler auf 239 Züge pro Tag. Eine Faustregel der Bahn besagt, dass eine Vollauslastung der Strecke bei 240 Zügen liegt. Mit den fantasiezahlen des Planspiels wäre die Bahnlinie zwischen Kufstein und Rosenheim noch immer nicht voll ausgelastet.

Und wie überhaupt käme München mit dem zusätzlichen Schienengüterverkehr zurecht? Gar nicht, erfährt man aus der Studie. Es gibt Engpässe und Kapazitätsbeschränkungen: auf der Strecke zwischen Grafing und München, bei der Durchfahrung des Bahnknotens München, zwischen Landshut und München usw.

Gäbe es eine Alternative? Ja, mit dem Bahnstreckenausbau Regensburg – Landshut – Mühldorf – Wasserburg – Rosenheim (im BVWP 2030 im potentiellen Bedarf). Die Streckenführung über Wasserburg wurde inzwischen mit einem Nutzen-Kosten-Wert von 5,2 bewertet. Ein extrem guter Wert für Deutschland, möglicherweise der beste im gesamten Bundesverkehrswegeplan 2030. „Es ist deshalb anzunehmen“, resümieren Vieregg und Rössler, „dass das genannte Projekt noch dieses Jahr in den vordringlichen Bedarf aufsteigt, zumal sich … beim Ausbau in München neue Probleme auftun und somit in einer mittelfristigen Perspektive die Führung der Güterzüge über die Route Regensburg – Landshut – Mühldorf – Rosenheim die einzige Option darstellt.“

Darf man bei der laufenden Überarbeitung des BVWP 2030 auf die Vernunft der Verantwortlichen im Bundesverkehrsministerium zählen? Wird die Alternative pro Güterverkehr auf der Schiene erkannt? Wird auf die Neutrassierung der B15 neu verzichtet und bleiben damit hektarweise wertvollste landwirtschaftliche Kulturflächen erhalten? Man will es hoffen. Und man darf gespannt sein.

an der A 92

 

Quelle: Vieregg – Rössler GmbH, Kritische Stellungnahme zu den Schriftstücken „Entwürfe Grobtrassen“ und „Präsentation Projekthintergründe“ der DB Netze/ÖBB Infra vom 18.6.2018 bzgl. des Eisenbahn-Brenner-Nordzulaufes. München 2018

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